ISA Server 2004 – ISA Server 2004 Zertifikatmanagement - Von
Marc Grote
Die Informationen in diesem Artikel beziehen sich auf:
- Microsoft ISA Server 2004
Dieser Artikel beschreibt die notwendigen Schritte für die Verwendung von
Zertifikaten in Webserver- und Serververöffentlichungsregeln. Es wird hierbei
auf die einzelnen Aspekte der Zertifikatbeantragung, Zertifikat-Export und
-Import eingegangen, die Verwendung von Zertifikaten in
Webserververöffentlichungen sowie einige Besonderheiten bei der Arbeit mit
Zertifikaten gezeigt und etwas Grundlagenwissen vermittelt.
Dieser Artikel kann und will nicht alle Aspekte der sehr komplexen Materie der
Kryptographie, PKI und des Zertifikatsmanagement ansprechen, sondern vielmehr
exemplarisch an einigen Stellen auf häufige Stolperstellen bei der Arbeit mit
Zertifikaten hinweisen.
Aus diesem Grund unterscheidet sich dieser Artikel etwas von der erfolgreichen
Reihe der Step-by-Step Anleitungen auf www.msisafaq.de.
Dieser Artikel unterteilt sich in folgende Abschnitte:
- SSL-Zertifikatgrundlagen
- CA-Einrichtung
- Zertifikatbeantragung
- Zertifikat-Export und -Import
- Verwendung von Zertifikaten in
Webserververöffentlichungen
- Fehlermeldung "500 Internal Server Error"
- Umgang des ISA Server mit Zertifikaten
- Wo können noch Zertifikate verwendet
werden
SSL-Zertifikatgrundlagen
Der Hauptanwendungsbereich von
SSL-Zertifikaten liegt in der sicheren Authentifizierung und Übertragung von
Daten, sowie dem geschützten Zugriff auf Informationen.
Wenn Sie beispielsweise finanzielle Transaktionen auf Ihrer Website handhaben,
benötigen Sie ein SSL-Zertifikat. Wenn Sie mit vertrauenswürdigen Kundendaten
umgehen, sollten Sie den Einsatz eines SSL-Zertifikats durchaus in Betracht
ziehen um der Sicherheit und dem Datenschutz Rechnung zu tragen.
Weitere Gründe die für den Einsatz eines digitalen Zertifikats sprechen:
-
Um die Identität Ihrer Firma (oder
Ihres Servers) online zu bestätigen und so für Vertrauen zu Ihren
Mitarbeitern und externen Kunden zu sorgen.
-
Um die an Ihre Website (oder
zwischen Servern) übermittelten Daten mit Hilfe von SSL zu verschlüsseln.
Mit Hilfe der Authentisierung können
sich die Benutzer davon überzeugen, dass das Unternehmen real existiert und der
Verbindungsaufbau zum richtigen Server erfolgt.
Zertifikate werden in verschiedene Klassen eingeteilt, so dass die
Authentisierungsstufe eines Zertifikats als Qualitätsmerkmal dient - Je höher
die angewendete Authentisierungsstufe, desto besser ist die Qualität des
Zertifikats.
Einige Zertifizierungsstellen stellen vor der Ausstellung eines Zertifikats
lediglich die Grundüberprüfungen an (z. B. nur E-Mail Überprüfung bei Class1
Zertifikaten von z. B. Thawte Freemail), während vor Erwerb von anderen
Zertifikaten ausführliche Prüfungen durchgeführt werden müssen (z. B.
PostIdent-Verfahren, persönliche Anwesenheit bei der Zertifizierungsstelle
erforderlich usw.)
Zertifikate haben nur eine begrenzte Gültigkeit, in der Regel in Jahren und
müssen somit regelmäßig erneuert werden. Wenn ein Zertifikat (mit privatem
Schlüssel) kompromittiert wird, abläuft oder aus diversen anderen Gründen nicht
mehr verwendet werden darf, muss es einen Prozess geben, welcher dafür sorgt,
dass dieses Zertifikat nicht mehr verwendet werden kann. Dieser Prozess heißt
Zertifikatssperrung. In einer so genannten CRL (Certificate Revocation List)
werden abgelaufene oder kompromittierte Zertifikate in regelmäßigen Abständen
veröffentlicht. Clients, Server und diverse Verfahren laden die CRL und führen
eine Überprüfung der Zertifikate gegen die CRL durch.
Standard Datei-Suffixe
Schlüssel
|
Beschreibung |
PCKS #12
|
Privater
Informationsaustausch |
|
.PFX |
Privater
Informationsaustausch
|
|
.P12 |
Privater
Informationsaustausch |
|
PCKS #7 |
Syntaxstandard
kryptografischer Meldungen |
|
.P7B |
Syntaxstandard
kryptografischer Meldungen |
|
.SST |
Microsoft serieller
Zertifikatsspeicher |
|
.CER |
DER-kodiert-binär X.509
Base-64-codiert-X.509 |
|
.PFX |
Privater
Informationsaustausch PCKS #12 |
|
.CRL |
Certification Revocation List |
|
.P7C |
Digitale ID-Datei |
|
.P7M |
PCKS #7 MIME-Nachricht |
|
.P7R |
PCKS #7 Zertifikat |
|
.P7S |
PCKS
#7 Signatur |
CA-Einrichtung
Microsoft bietet mit seiner Windows Server Familie die Möglichkeit zur
Installation einer eigenen CA (Certificate Authority). Eine CA ist das
Basisgerüst einer PKI (Public Key Infrastructure). Mit Hilfe einer CA können Sie
Zertifikate ausstellen, aber noch wesentlich mehr. Lesen Sie hier mehr über die
Windows 2003 PKI. Die Entscheidung, ob eine Inhouse PKI verwendet werden
soll oder lieber kommerzielle Zertifikate für bestimmte Zwecke verwendet werden
sollen, ist eine sehr wichtige Entscheidung, welche hier nicht näher erläutert
werden kann. Generell gilt die Implementierung einer Inhouse PKI als sehr zeit-
und kostenaufwändig.
Zertifizierungsstellen können kaskadiert werden um den Anforderungen in Punkto
Sicherheit, Flexibilität und Skalierbarkeit Rechnung zu tragen. Man spricht dann
von folgenden CAs:
- RootCA
- IntermediateCA
- IssuingCA

In diesem Artikel wird anhand von einigen Screenshots die oberflächliche
Einrichtung einer CA gezeigt. Zur Installation einer CA klicken Sie auf Start
- Systemsteuerung - Software - Windows Komponenten Hinzufügen / Entfernen
und wählen in den Komponenten Zertifikatdienste aus. Für diesen Artikel
wird eine Stammzertifizierungsstelle des Unternehmens installiert.

Vergeben Sie einen Namen für die Zertifizierungsstelle und
den Gültigkeitszeitraum.

Bei der Frage nach dem Speicherort für die
Zertifikatdatenbank und das Zertifikatdatenbankprotokoll wird in diesem Artikel
keine Änderung vorgenommen. Bei einer Implementierung in Ihren Unternehmen,
sollten Sie die Datenbank und die Protokolle auf unterschiedliche Datenträger
legen.

Nach erfolgter Installation der Zertifizierungsstelle
können Sie die CA mit Hilfe des Zertifizierungsstellen SnapIns verwalten.

Zertifikatbeantragung
Je nach Verwendungsart, können Sie Zertifikate von einer
Zertifizierungsstelle mit Hilfe einer Zertifikat Management Konsole beantragen
oder etwas komfortabler, mit Hilfe einer Webseite.
Um ein Zertifikat per MMC zu beantragen, müssen Sie eine
neue Zertifikats-Management-Konsole erstellen. Klicken Sie dazu auf Start -
Ausführen - MMC. Klicken Sie dann auf Datei - Snap-In
hinzufügen/entfernen und wählen in der Liste der verfügbaren Snap-Ins
Zertifikate aus.
Wenn Sie über administrative Berechtigungen verfügen, können Sie folgende
Zertifikatssspeicher öffnen:
- Eigenes Benutzerkonto
- Dienstkonto
- Computerkonto
Ein normaler Benutzer kann nur das Zertifikats SnapIn für
das eigene Benutzerkonto öffnen.

Wesentlich komfortabler ist die Anforderung von
Zertifikaten über eine Webseite. Bei der Installation einer Windows 2000/2003 CA
wird eine neue Webseite auf dem IIS installiert, mit deren Hilfe Benutzer
komfortabel Zertifikate anfordern können. Der Aufruf der Webseite erfolgt durch
Eingabe von HTTP://CASERVERNAME/CERTSRV.

Hinweis:
Es ist wichtig, dass sämtliche Computer, welche an einer
sicheren Webserververöffentlichung beteiligt sind, Zugriff auf das
Zertifizierungsstellenzertifikat der privaten CA haben. Bei der Verwendung einer
Stammzertifizierungsstelle des Unternehmens und einer Mitgliedschaft aller
Clients und Server in der Active Directory Domäne, wird das
Stammzertifizierungsstellenzertifikat automatisch installiert. Bei Clients,
welche nicht Mitglied der Domäne sind, müssen Sie das
Zertifizierungsstellenzertifikat in den Zertifikatsspeicher der
Vertrauenswürdigen Stammzertifizierungsstellen importieren.
Beispiel einer Ansicht auf Vertrauenswürdige Stammzertifizierungsstellen
im Internet Explorer eines Windows XP Clients.

Zertifikats-Export und -Import
Sie können bereits im Zertifikatsspeicher vorhandene Zertifikate exportieren
und importieren. Sie müssen dazu eine neue Zertifikats-Management-Konsole
erstellen. Klicken Sie dazu auf Start - Ausführen - MMC. Klicken Sie dann
auf Datei - Snap-In hinzufügen/entfernen und wählen in der Liste
der verfügbaren Snap-Ins Zertifikate aus.

Sie können ein Zertifikat-Snap-In für folgende Objekte
verwalten:

Nachdem Sie die Zertifikatskonsole erstellt haben, können
sie ein Neues Zertifikat anfordern wenn sich Ihr Client in einer Windows
2000/2003 Domäne befindet und eine Zertifizierungsstelle installiert ist, sonst
müssen Sie auf Importieren klicken um ein bereits ins Dateisystem
exportiertes Zertifikat zu importieren.

Durch einen Doppelklick auf das gewünschte Zertifikat
gelangen Sie in dessen Eigenschaften. Sie können im Reiter Allgemein u. a.
überprüfen, von welcher CA das Zertifikat ausgestellt wurde, wie lang das
Zertifikat noch gültig ist und ob Sie einen privaten Schlüssel für dieses
Zertifikat besitzen. Dieser Punkt ist sehr wichtig für die Verwendung von
Zertifikaten in Webserververöffentlichungen.

Im Reiter Details erhalten Sie weitere Informationen über
das ausgestellte Zertifikat.

Ein in einem Zertifikatsspeicher enthaltenes Zertifikat
kann mit Hilfe des Zertifikatexport-Assistenten in eine Datei exportiert
werden. In unserem Beispiel der Webserververöffentlichung müssen Sie das
Zertifikat mit dem privaten Schlüssel exportieren, da der ISA Server nur so
verschlüsselte SSL Verbindungen entschlüsseln kann. Für diesen Artikel müssen
Sie das IIS Webserverzertifikat des IIS exportieren, welcher für die sichere
Webveröffentlichung verwendet werden soll.

im Fenster Exportdateiformat setzen Sie den Haken bei
Wenn möglich, alle Zertifikate im Zertifizierungspfad einbeziehen. Damit
werden alle Zertifikate in einem möglichen Certificate Chain eingeschlossen.

Wenn Sie ein Zertifikat mit einem privaten Schlüssel
exportieren, sollten Sie den privaten Schlüssel mit einem Kennwort schützen.

Geben Sie noch den Pfad zur Speicherung der Exportdatei
an. Damit ist der Export des Zertifikats erfolgreich abgeschlossen.

Verwenden von Zertifikaten in
Webserververöffentlichungen
Bei der Verwendung einer Webserververöffentlichung können Sie zwischen
SSL-Bridging und SSL-Tunneling auswählen. Für das Beispiel in diesem
Artikel wählen Sie SSL-Bridging.

Der Wizard besteht aus weiteren Schritten, auf deren
Erläuterung in diesem Artikel, wie bereits am Anfang erwähnt, jedoch verzichtet
wurde. Der folgende Screenshot zeigt die Konfiguration des Weblistener für die
SSL-Webveröffentlichungsregel.

Wählen Sie bei der Portspezifizierung SSL aktivieren aus.
Dazu müssen Sie jetzt auf Auswählen klicken um das SSL-Zertifikat
auszuwählen, welches für das SSL-Bridging verwendet werden soll.

In diesem Beispiel ist kein entsprechendes Zertifikat mit
einem privaten Schlüssel im Zertifikatsspeicher des lokalen Computerkontos
vorhanden, so dass folgende Fehlermeldung erscheint:

Nachdem Sie, wie weiter oben beschrieben, das entsprechende
Zertifikat angefordert oder importiert haben, erhalten Sie beim klicken auf die
Schaltfläche Auswählen folgendes Auswahlfenster:

Datenverkehr mit Client Zertifikat am ISA absichern
„Für
die Verwendung eines Client-Zertifikats am ISA Server (damit dieser sich mit
einem Zertifikat gegenüber dem Webserver authentifizieren kann), müssen Sie auf
der Registerkarte Bridging das Kontrollkästchenbei Zertifikat für
Authentifizierung mit dem SSL-Webserver verwenden aktivieren. Klicken Sie dann auf Auswählen.
In diesem Beispiel ist wieder kein entsprechendes
Zertifikat mit einem privaten Schlüssel im Zertifikatsspeicher vorhanden, so
dass folgende Fehlermeldung erscheint:

Warum erscheint schon wieder diese Meldung, obwohl wir
schon ein entsprechendes Zertifikat in den Zertifikatsspeicher des lokalen
Computers auf dem ISA importiert haben? Hintergrund ist, dass hier ein
Benutzerzertifikat für den Firewall-Dienst angefordert werden muss.
Das Vorgehen ist etwas trickreich:
Fordern Sie am ISA Server per Internet Explorer ein Benutzerzertifikat
bei der privaten Zertifizierungsstelle an.
Danach starten Sie den Internet Explorer und navigieren zu EXTRAS -
INTERNETOPTIONEN - INHALTE - ZERTIFIKATE - wählen dort das so eben erstellte
Zertifikat aus und exportieren dieses.
Stellen Sie beim Export sicher, dass Sie den privaten Schlüssel exportieren, und
wenn möglich, alle Zertifikate im Zertifizierungspfad einbeziehen.
Öffnen Sie dann auf dem ISA Server eine MMC (Start - Ausführen - MMC), fügen das
Zertifikats-SnapIn hinzu und wählen dort den Dienst Microsoft Firewall Dienst
aus
Sie können jetzt das im Internet Explorer exportierte Zertifikat importieren.
Stellen Sie beim Import sicher, dass Sie den privaten Schlüssel exportieren, und
wenn möglich, alle Zertifikate im Zertifizierungspfad einbeziehen.
Danach ist das
Zertifikat in Reiter Bridging der Webserververöffentlichungsregel
auswählbar.
Fehlermeldung "500 Internal Server
Error"
Eine sehr häufige Fehlermeldung, gerade
bei der Veröffentlichung von Outlook
WebAccess oder
RPC over HTTPS ist die Fehlermeldung "500 Internal Server Error - The target
principal name is incorrect. Was bedeutet diese Fehlermeldung?
Diese Fehlermeldung kann immer dann auftreten, wenn Sie bei einer
Webserververöffentlichung SSL Briging verwenden. Bei SSL Tunneling tritt das
Problem nicht auf!
Wo ist der Unterschied?
Beim SSL Tunneling existiert eine SSL Verbindung von Client zu Server durch den
ISA Server. ISA Server leitet hier nur SSL Anfragen weiter, ohne den Inhalt der
Daten lesen zu können.
Beim SSL Bridging wird ein SSL-Objekt von
einem Client angefordert. Die Anforderung wird von ISA Server entschlüsselt,
anschließend erneut verschlüsselt und an den Webserver weitergeleitet. Vom
Webserver wird das verschlüsselte Objekt an ISA Server zurückgesendet. Das
Objekt wird von ISA Server entschlüsselt, erneut verschlüsselt und an den Client
gesendet. Mit anderen Worten: SSL-Anforderungen werden als SSL-Anforderungen
weitergeleitet.
Die Fehlermeldung "500 Internal Server Error" tritt
auf, wenn es keine Übereinstimmung zwischen dem FQDN der Anfrage und dem CN des
Website Zertifikats gibt. Die Lösung für dieses Problem ist die Konfiguration
der Webveröffentlichungsregel zur Verwendung des FQDN der internen Webseite und
der Verwendung einer
Split DNS Konfiguration oder einer HOSTS Datei. Für einfachere
Installationen oder etwas unbedarftere Administratoren ist die Konfiguration
einer HOSTS Datei pragmatischer. Der ISA Server kann dann den Namen zu der
internen IP-Adresse auflösen und nicht auf die öffentliche IP-Adresse des
Server. Die HOSTS Datei enthält dann die IP-Adresse des internen Webservers und
den öffentlichen Namen.
Für mehr Informationen über diese Fehlermeldung lesen Sie folgenden
Artikel.
Umgang des ISA Server mit
Zertifikaten
Sie können in der ISA Server 2004
Management Konsole unterhalb von Konfiguration - Allgemein -
Eigenschaften für die Zertifikatsperrung festlegen.
Mit Hilfe dieser Funktion kann der ISA Server verifizieren, dass eingehende
Zertifikate nicht in einer Zertifikatsperrliste (CRL) enthalten sind.

Wo können noch
Zertifikate verwendet werden
-
Standort zu Standort
Verbindungen mit L2TP/IPSEC
-
Standort zu Standort
Verbindungen mit IPSEC
-
EAP / Smartcard
Authentifizierung
-
SSL-Zertifikatsauthentifizierung in einem Weblistener
Für mehr Informationen über digitale Zertifikate lesen Sie
folgenden
Artikel.
Stand:
Friday, 28. August 2009/MG.
http://www.it-training-grote.de
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